Puja & Raja 

... Tantra aus esoterischen und exotischen Höhen ins praktische, tägliche Leben bringen...

Osho Times Deutschland

Interview mit Satya Puja und Raja, die zusammen als Tantra-Therapeuten ausschließlich mit Paaren arbeiten.
Puja, Diana Richardson, hat über diese Form der Tantra-Arbeit ein Buch geschrieben, das diesen Monat in der Edition Innenwelt des Osho Verlages erscheint: "Zeit für Liebe - Sex, Intimität und Ekstase in Beziehungen", lautet der Titel dieses undogmatischen Ansatzes, der in einfachen, nachvollziehbaren Schritten zeigt, wie man eine erfüllende Sexualität und Intimität mit dem Partner leben kann.

Frage: Puja, wie bist du zu dieser Arbeit gekommen?

Puja: Ich habe mehrere Jahre in der Osho Commune in Pune Körpertherapie, genauer gesagt Massage gelehrt. Zu dieser Zeit begann ich, während ich die Klienten berührte, mit der Kraft der Entspannung zu arbeiten. Ein anderer Aspekt meiner Arbeit war, in mir zentriert zu bleiben und nicht im anderen verloren zu gehen. Was ich daraufhin feststellte war, daß der Kontakt zwischen mir und der Person, an der ich arbeitete, durch Entspannung und meine Zentriertheit enorm vertieft werden konnte. So also gehen die „Schlüssel der Liebe“, die ich jetzt in den Tantragruppen für Paare vermittle, auf jene Zeit zurück, in der ich Massage unterrichtete. Durch meine Arbeit als Körpertherapeutin hatte ich schnell die Schlüsselpunkte im Körper herausgefunden, die für Entspannung wichtig sind. Diese Punkte können einem beim Liebe-machen helfen, entspannt im Hier und Jetzt zu bleiben.

F: Wann hast du dann angefangen, Tantra für Paare zu unterrichten?

Puja: Das war 1993. Es fing mit einer fünftägigen Gruppe an. Alle Teilnehmer waren vom Tantra Department der Multiversity in Pune. Die Gruppe wurde sehr schnell beliebt. Ich hatte eigentlich nie die Absicht, Tantra für Paare zu unterrichten, aber es fragten mich so viele Freunde danach. Und es fiel mir leicht, über dieses Thema zu sprechen. Weil ich jahrelang Körpertherapie unterrichtet hatte, und da das Liebemachen ja zwischen zwei Körpern geschieht, war es ein natürlicher Schritt für mich, Tantra für Paare anzubieten.

F: Wo liegt deiner Meinung nach der Unterschied zwischen der Art und Weise, wie ihr Tantra unterrichtet und den anderen Tantraschulen?

Puja: Tantra, wie wir es verstehen, ist die Transformation von Sex zu Liebe, und zwar durch Achtsamkeit. Die Sexenergie wird dabei zu einer meditativen Energie und es wächst Liebe. Es gibt nur sehr wenige Tantra-Lehrer, die sich für die Verbindung von Sex und Meditation einsetzen. Bei den meisten landläufigen Formen von Tantra geht es um ekstatisches Erleben, um noch bessere oder längere Orgasmen. Da muß man etwas tun, um etwas zu bekommen. Dahingegen versuchen wir, alles Tun wegzunehmen und ganz im Moment zu sein. Die Intensität entsteht dabei durch Bewußtheit. Und der Sex passiert dann von ganz alleine. Beim Liebe-machen sollte man entspannen und eine neue Form von Kommunikation zwischen Penis und Vagina finden. Diese Kommunikation existiert tatsächlich, ob wir sie nun wahrnehmen oder nicht. Der größte Unterschied ist also der, alles Tun fallenzulassen. Denn in Wirklichkeit geht es darum, authentischer zu werden, und immer mehr Menschen kommen an den Punkt, daß sie das auch im Sex umsetzen wollen.

F: Was genau sind diese „Schlüssel“ beim Liebemachen? Vorhin hast du von „verschiedenen Punkten im Körper“ gesprochen, an denen wir entspannen können. Kannst du ein bißchen mehr dazu sagen?

Puja: Es gibt eine ganze Menge Schlüssel, die dir helfen, dich beim Sex mehr zu entspannen. Das Grundlegende ist natürlich deine Achtsamkeit undGegenwärtigkeit. Der Atem hilft genauso wie bestimmte Körperpositionen. Ich will dir mal ein Beispiel geben: Im allgemeinen spannen Frauen ihre Vagina an beim Liebemachen und das beengt den Penis. Deswegen müssen Frauen lernen, so weit und so offen wie möglich zu sein mit ihrer Vagina. Das widerspricht allerdings den gängigen Vorstellungen. Manche Frauen haben richtige Phobien, daß ihre Vagina zu weit und entspannt ist und der Mann deshalb nichts spüren wird. Sie denken, sie müßten den Penis „unterhalten“. Der grundlegende Gedanke bei uns ist der: Wenn die Frau nicht offen ist, kann auch der Mann nicht fließen. Sobald der weibliche Kanal geöffnet ist, kann der männliche anfangen zu fließen. Für Männer bedeutet das, den Beckenboden und die Pobacken zu entspannen. So-bald der Po angespannt ist, verspannen sich auch die Genitalien. Ein weiterer wich-tiger Aspekt sind die Polaritäten innerhalb unseres Körpers. Osho hat darüber sehr viel gesprochen (siehe Diskurs). Das erste Chakra ist beim Mann positiv und bei der Frau negativ. Und im Herzchakra ist es genau umgekehrt. Dadurch kann ein Energiekreislauf zwischen Mann und Frau kreiert werden. Die Brüste sind bei der Frau das Tor zu ihrer Sexualität. Die Vagina öffnet sich nicht, bevor nicht die Energie in den Brüsten fließt.

Raja: Männer haben oft eine seltsame Vorstellung davon, wie sie Frauen erregen können, z.B. indem sie ihre Klitoris reiben. Aber wenn sie wüßten, daß sie einfach nur ihre Aufmerksamkeit den Brüsten zu widmen brauchen, würde sich die Frau ganz automatisch öffnen. Wir müssen sie durch die Brüste lieben. Wir Männer denken immer, die Frauen funktionieren genauso wie wir, und selbst die Frauen fangen schon an zu denken, sie müßten wie die Männer funktionieren. Wenn wir aber in der Lage sind, unsere Gegensätzlichkeit wertzuschätzen, dann kann ein Energiekreislauf entstehen.

Puja: Frauen sind oft in ihren Brüsten blockiert, weil sie Komplexe bezüglich ihrer Brüste haben, sie sind zu groß, zu schlaff, zu klein ... diese Blockierungen müssen sich erst auflösen, damit dieser Pol der Frau klar ist und die Energie fließen kann. Im Grunde genommen müssen wir alles verlernen, was wir bisher über Sexualität gelernt haben.

F: Also lehrt ihr genau genommen Meditation und benutzt dazu die sexuelle Energie, um bewußter zu werden?

Puja: Du kannst das nicht wirklich trennen. Ob du nun meditieren oder Liebe machen möchtest, es ist derselbe Weg nach innen. Das Schöne am Liebemachen ist, daß die Genitalien dich präsent halten. Und ich rede hier nicht über die Genitalien im alten Verständnis, wo du Reibung benutzt, um dir Vergnügen zu bereiten, dich selbst zu erregen und dann die Energie zu entladen. Nein, wir verstehen die Genitalien als elektrische Pole, den Penis als den positiven und die Vagina als den negativen Pol ? und zusammen wird eine Energie kreiert. Diese Energie ist auch die meditative Energie, die Quelle der Ekstase. Der erste Schritt beim Liebemachen ist der, zu dir selbst zurückzukommen und nicht mit deiner Aufmerksamkeit nur beim anderen zu sein. Je mehr du dich zu dir selbst hin öffnen kannst, umso mehr Energie kann auch fließen.

F: Ist das einer der „Liebes-Schlüssel“ ? am Anfang mehr mit sich selbst in Kontakt zu sein?

Puja: Nicht nur am Anfang, die ganze Zeit über mußt du mit dir selbst in Kontakt sein.

Raja: Wir wollen uns einfach ganz genau anschauen, was wir im Sex machen. Wir sagen nicht, daß wir etwas verändern wollen, wir sagen nur: „Laßt uns Achtsamkeit und Bewußtheit in den Akt bringen, um zu sehen, wie wir Liebe machen.“ Dann wirst du eine Menge entdecken, z.B. mit welchen Denkmustern und Konditionierungen du die Sache angehst. Wir benutzen keine Technik, sondern wir bringen Achtsamkeit in den Vorgang, und das verändert die Art und Weise wie wir Liebe machen. Im selben Moment, da du sehen kannst, daß du in einem fixen Programm steckst und Sex für dich mechanisch abläuft, möchtest du natürlich raus aus diesem Muster. Sobald du deine Lebensenergie als Einheit erkennst, als eine Energie, und du anfängst, in die Basis dieser Energie, also in den Sex hineinzuentspannen, wirst du insgesamt in deinem Leben entspannter sein können. All die anderen Bereiche, in denen du deine Energie ausdrückst, werden dann entspannter, weniger zielorientiert, du hast weniger Ambitionen, es gibt weniger Aufregung. Einige Teilnehmer kommen hinterher zu uns und sagen: „Wow, das war die wichtigste Erfahrung meines Lebens. Ich sehe die Welt jetzt mit ganz anderen Augen.“

Puja: Ab und zu kriegen wir auch sehr junge Paare in unsere Gruppe, die gerade mal neunzehn oder zwanzig sind, und die sagen dann zu uns: „Hey, was für eine Erleichterung!“ Denn sie fingen gerade an zu spüren, wieviel Leistungsdruck und Erwartungen an die Sexualität gekoppelt sind. „Das ist ja phantastisch, ich muß ja gar nicht unbedingt einen Orgasmus haben oder meiner Freundin zu einem Orgasmus verhelfen. Ich muß ja gar nicht jedes Mal kommen.“ Wir versuchen also von Anfang an, diese Erregung herauszunehmen, denn solange du dein Augenmerk auf der Erregung hast, entgehen dir die subtilen Dinge beim Liebemachen.

F: Was für Leute kommen in eure Gruppen? Was erwarten sie von der Gruppe? Sind sie an Meditation und an spirituellem Wachstum interessiert oder wollen sie einfach eine besser funktionierende Beziehung?

Puja: Die Teilnehmer kommen aus allen Altersgruppen von neunzehn bis neunundsechzig Jahren. Sie kommen, weil sie Sehnsucht nach einer tieferen Erfahrung haben, einer Erfahrung, die sie mehr erfüllt. Sie haben das Gefühl, sie sind in einer Einbahnstraße steckengeblieben. Und selbst, wenn sie den Partner wechseln, kommen sie wieder an denselben Punkt. Jeder, und speziell Frauen, spürt intuitiv, daß es da noch mehr geben muß. Die Möglichkeit, Sex und Meditation zusammenzubringen, ist für viele dann wirklich eine Offenbarung.

F: Osho spricht in seinen Tantra-Büchern oft davon, die Energie innen zu halten und nicht rauszuwerfen. Wie sieht dieser Aspekt in eurer Arbeit aus?

Puja: Was wir bisher gelernt haben, ist, die Energie nach unten in unsere Genitalien zu leiten und beim Höhepunkt hinauszuwerfen. Wenn du aber die Energie im Körper hältst, steigt sie automatisch nach oben. Das einzige, was wir also machen müssen, ist, mit unserer Gewohnheit, Sexenergie hinauszuwerfen, zu brechen und zu entdecken, daß es da etwas jenseits des Höhepunktes gibt. Für den Mann jenseits der Ejakulation, und für die Frau jenseits eines Orgasmus ? für den sie hart arbeitet, Energie aufbaut, nur um diese dann zu entladen. Was wir brauchen, ist eine Neuorientierung bezüglich unserer Sexualität. In uns selbst ist ein vollständiger Kreislauf von Energie angelegt, aber wir nutzen immer nur einen Teil davon. Wir müssen lernen, unsere Energie in uns zirkulieren zu lassen, damit sie aufsteigen kann. Wir müssen uns auch fragen: Was gibt uns ein Orgasmus wirklich? Warum ist er so wichtig für uns? Mach dir mal eine Liste von allem, was zu einem Orgasmus dazugehört: harte Arbeit, Anspannung, Erfolgsdruck, Vortäuschen, Konkurrenz usw … Wenn du dir den Orgasmus als Ziel setzt, dann kannst du nicht den Moment genießen, dann fehlt dir die Präsenz. Wir müssen lernen, daß das Liebemachen ohne jede Anstrengung geschehen kann. Der Körper möchte Liebemachen, dazu braucht er den Verstand nicht. Ein weiterer wichtiger Punkt für Paare ist auch der Umgang mit ihren Emotionen. Oftmals erkennen wir nicht, wie Emotionen Liebe zerstören können. Und zwar, weil wir uns nicht bewußt sind, wie unsere Emotionen funktionieren. Wir arbeiten sehr viel mit Emotionen und betrachten sie aus einer völlig anderen Perspektive.

Raja: Wir arbeiten in unseren Gruppen auch sehr viel mit dem Körper. Schließlich sind es die Körper, die Liebe machen, nicht der Verstand. Die Gesellschaft bringt uns bei, Sexualität über den Verstand zu leben: Durch Phantasien, Vorstellungen, z.B. pornografische Magazine und Filme. Es ist also wichtig, ein Körperbewußtsein zu entwickeln, da die meisten von uns zu sehr im Kopf leben.

Puja: Bei unserer Arbeit geht es darum, eine Veränderung des Bewußtseins zu erreichen und nicht, eine neue Technik zu lernen. Wir wollen den Leuten nicht den Eindruck geben, daß das eine richtig und etwas anderes falsch ist, sondern sie dazu ermuntern, ihre Sexualität mit Wachheit und Bewußtheit wahrzunehmen. Es geht nicht darum, mit der Vergangenheit und deiner bisherigen Art und Weise von Liebemachen zu brechen und dann etwas Neues zu lernen, sondern dich im Sex bewußt wahrzunehmen. Andernfalls würdest du für ein paar Wochen das Neue ausprobieren und dann schleicht sich durch die Hintertür dein alter Stil wieder ein.

F: Können wir noch einmal auf den Punkt zurückkommen, an dem ihr gesagt habt, daß ihr viel mit den Emotionen und Gefühlen arbeitet? Wie sieht das aus?

Raja: Wir unterscheiden zwischen Emotionen und Gefühlen. Gefühle geschehen im Moment ? das, was du hier und jetzt wahrnimmst und spürst. Jedes Gefühl macht dich offener, verletzlicher, intimer und bringt dich letztendlich deinem Partner näher. Emotionen dagegen haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Bei einer Emotion machst du den anderen verantwortlich, fühlst dich also eher getrennt, fängst an, den anderen zu beschuldigen. Sobald ich den Unterschied erkennen kann, und z.B. wahrnehme, daß ich Puja beschuldige, dann weiß ich sofort, daß dies eine Emotion ist, die aus meiner Vergangenheit kommt. Puja war nur der Auslöser und ist nicht die Ursache. Dann kann ich diese Emotion zu mir selbst zurücknehmen, und einen Weg finden, wie ich sie löse und frisch zu meiner Partnerin zurückkehre. Wir haben die Tendenz, unseren ganzen seelischen Müll auf die Person abzuladen, die wir am meisten lieben, weil wir glauben, daß sie der Grund dafür ist, daß wir uns schlecht fühlen. Frauen werden im allgemeinen als emotionaler betrachtet als Männer, aber das ist absoluter Blödsinn. Männer, denen es nur um ihre eigene sexuelle Befriedigung geht, geben der Frau beim Sexakt ihre ganze Spannung ab, und was übrig bleibt ist ein ganzer Speicher voller Spannungen in der Frau, die sie in sich behält. Diese manifestieren sich dann in Emotionen. Wir glauben, daß viele Probleme wie z.B. prämenstruelle Beschwerden oder auch Probleme bezüglich der Menopause ihre Ursache in einer lebenslangen falschen Art und Weise des Liebemachens haben.

F: Was sind konkrete Anzeichen dafür, daß ich in Emotionen verfangen bin?

Puja: Du bist emotional, wenn du anfängst, jemand anderen zu beschuldigen. Oder wenn du dich getrennt und nicht verbunden fühlst, und wenn du jemanden nicht anschauen kannst. Oder du hörst dich selbst einen Satz wiederholen, den du schon seit Jahren benutzt. Wann immer du sagst: „Du machst nie/immer ...“ oder: „Du bist nie/immer...“, dann weißt du, du bist in einer Emotion und die Vergangenheit regiert dein Leben.

F: Was ratet ihr euren Teilnehmern, wie sie mit diesen Emotionen umgehen können?

Puja: Als erstes sagen wir ihnen, daß es nicht wichtig ist zu wissen, was die Ursachen für diese alten Emotionen sind. Zweitens ist es wichtig, deinem Partner einzugestehen, daß du emotional bist. Wir schlagen ihnen vor, sich körperlich zu bewegen, joggen zu gehen, zu rennen, zu schreien oder auf Kissen zu schlagen,Dynamische Meditation zu machen, um diese Emotionen zu entladen. Hauptsache, du hörst auf, deine Emotionen am Partner auszulassen.

F: Finden Frauen eigentlich leichter einen Zugang zu dieser Art des Tantra als Männer?

Puja: Ganz sicher erkennen die Frauen die Wahrheit dessen, was wir lehren, viel schneller, als dies die Männer tun. Die alte Form von Liebemachen mit Anstrengung und übermäßigem Tun brettert ja förmlich über die weibliche Energie hinweg. Die Frauen leiden deshalb mehr unter einer oberflächlichen zielorientierten Sexualität als dies Männer tun.

Raja: Natürlich ist es für Männer schwierig, ihre alte Konditionierung loszulassen. Wenn z.B. eine Frau zu dir sagt, daß du ein miserabler Liebhaber bist, dann schmettert das wie ein Faustschlag auf das männliche Ego. Das zeigt, wie wichtig uns Männern Sex ist. Wir wissen oft gar nicht, wie wir einfach im Sex sein können, ohne Tun, es einfach passieren zu lassen und damit zu fließen.

Puja: Bei dem neuen Ansatz von Achtsamkeit und Nicht-Tun im Sex kann auch der Mann endlich entspannen und muß nichts mehr „bringen“. Schon nach einer Woche spüren die Männer einen Unterschied in der Sensitivität ihres Penis. Man kann also nichts auf dieses landläufige Vorurteil geben, demzufolge Tantra für Frauen gut sei und den Männern eher keinen Spaß bringe. Erst wenn die Frau sich wirklich sexuell öffnen kann, erlebt der Mann das Fließen seiner Energie. Die Frau hat im sexuellen Bereich eine Schlüsselfunktion, sie kreiert das Klima und hat damit viel mehr Macht im Sex, als sie selbst vielleicht wahrnimmt.

F: Ihr habt gesagt, daß viele Paare zu euch kommen, die nicht direkt an Meditation interessiert sind, und doch ist das, was ihr beide da tut, nichts anderes als Bewußtseinsarbeit. Können eure Teilnehmer ihre Erfahrungen in den Alltag integrieren?

Raja: Für die meisten Leute ist es ja so, daß das Liebemachen am Ende ihrer Prioritätenliste steht. Erst müssen tausend andere Sachen erledigt werden, und dann, am Ende des Tages, kurz vor dem Einschlafen oder am Morgen bleibt eine Viertelstunde zum Liebemachen. Und das wird dann Spontaneität genannt, dabei ist es rein zufällig. Wir sagen den Leuten, daß sie es an die oberste Stelle ihrer Liste setzen müssen. Und wenn sie zu beschäftigt sind, müssen sie sich zum Liebemachen verabreden und es in den Kalender eintragen. Das funktioniert im allgemeinen sehr gut, wenn du weißt, am Donnerstag nachmittag um 17 Uhr hast du zwei Stunden Zeit, um Liebe mit deiner Frau zu machen. Unsere Teilnehmer berichten uns, daß das sehr gut funktioniert ? anstatt ins Kino zu gehen oder mit Freunden zu tratschen oder Zeitung zu lesen, die Zeit zum Liebemachen zu nutzen. Und das verändert dann wirklich ihr Leben.

Puja: Die Leute erkennen, daß sie sehr viele Dinge in ihrem Leben tun, die eigentlich keine wirkliche Bedeutung haben, die ihnen nicht wirklich etwas geben. Sie lassen dann mehr und mehr diese unwichtigen Dinge sein und richten ihren Fokus auf Meditation und Liebe. Wir sind sehr viel in Kontakt mit unseren Teilnehmern. Sie schreiben uns, rufen uns an und schicken uns eMails. Unsere erste Frage ist dann immer: „Wie oft macht ihr Liebe?“ Und den Paaren, die sich oft lieben, geht es weitaus besser als denen, die sich nur einmal im Monat dafür Zeit nehmen. Je mehr Liebe du machst, desto liebevoller wirst du auch. Es ist auch interessant, wie Eltern mit Kindern sich in diesem Punkt verhalten. Sie denken, sie müßten etwas mit den Kindern unternehmen und haben keine Zeit zum Liebemachen. Aber Kinder spüren ganz genau, wie ihre Eltern zueinander stehen. Wenn viel Spannung und Streit zwischen den Partnern besteht, schicken manche Kinder von Paaren, die mit uns Gruppen gemacht haben, sogar ihre Eltern zum Liebemachen ins Bett.

F: Puja, du hast ein Buch geschrieben (The Love Keys) mit dem deutschen Titel „Zeit für Liebe“, in dem du deinen Weg des Tantra erläuterst. Was hast du mit dem Buch bezweckt

Puja: Ich habe dieses Buch geschrieben, um unser Bewußtsein in punkto Liebe-machen zu verändern. Und ich habe schon einige Rückmeldungen erhalten von Lesern, die nach der Lektüre berichteten, daß sich ihr Liebesleben komplett verändert hat, ohne daß sie etwas dafür getan hätten. Das Buch soll nicht nur eine Ergänzung zum Gruppenprozeß sein, sondern ist auch gerade für Menschen gedacht, die nicht zu einer Gruppe kommen können.

Raja: Der eigentliche Unterschied zu anderen Arten von Tantra ist der, daß unser Ansatz sehr einfach ist, ohne spezielle Rituale. Es ist Körperarbeit, Vermittlung von Verständnis und Praktizieren des Liebemachens. Wir sagen zu den Leuten: „Wir geben euch nicht die Blüten, sondern nur die Samen. Die wahre Arbeit fängt nach unserer Gruppe an. Ihr müßt diese Informationen mit nach Hause nehmen und in euer Leben einbauen, und ihr müßt die ’Saat‘ hegen und pflegen, damit sie aufgehen kann, damit sie Sonne, Nahrung und Liebe bekommt.“